Lehrstellen in der Schweiz
EFZ- und EBA-Lehrstellen und ein kompletter Ratgeber für den Lehrstart 2027: wählen, suchen, bewerben, Gespräch und Lehre meistern.
Lehrstellenangebote
Lehrstelle Fachfrau/-mann Hotellerie-Hauswirtschaft EFZ
📍 Nottwil EFZ3 Apprenti Logisticien H/F CFC (Option stockage)
📍 2027 (VD) Waadt EFZPflegefachperson HF/FH mit Interesse an Berufsbildung - Schwerpunkt Innere Medizin 80-100 %
📍 Zürich ZürichApprenti·e horticulteur/ horticultrice en paysagisme (pour la rentrée scolaire d’août 2027)
📍 2027Wo stehen Sie bei der Berufswahl?
✅ Beruf bereits getestet
Suchen Sie gezielt Lehrstellen für den nächsten Lehrstart. Notieren Sie, was Ihnen in der Schnupperlehre gefallen hat, welche Aufgaben Sie kennengelernt haben und welche Fragen offen sind.
🔎 Ein Beruf interessiert Sie
Lesen Sie das Berufsporträt, suchen Sie eine Schnupperlehre oder besuchen Sie eine Infoveranstaltung und sprechen Sie mit jemandem aus dem Beruf. Prüfen Sie, ob Aufgaben, Umfeld und Ausbildung passen.
🤔 Sie sind unsicher
Vergleichen Sie konkrete Tätigkeiten, Arbeitszeiten, körperliche Anforderungen, Kundenkontakt, Schulfächer und Weiterbildungsmöglichkeiten. Die Berufsberatung hilft Ihnen, Kriterien zu klären, ohne für Sie zu entscheiden.
🔁 Schon beworben ohne Erfolg
Holen Sie ein konkretes Feedback ein. Klären Sie zuerst, ob es an der Auswahl der Stellen, am Dossier oder am Gespräch liegt, bevor Sie alles ändern.
Die Berufslehre in der Schweiz: so funktioniert sie
Die Berufslehre ist eine duale Ausbildung: Sie lernen im Lehrbetrieb, in der Berufsfachschule und in vielen Berufen in überbetrieblichen Kursen. In der Regel verbringen Sie 3 bis 4 Tage pro Woche im Betrieb und 1 bis 2 Tage in der Schule, je nach Beruf und Lehrjahr. Sie sind angestellt und erhalten einen Lehrlingslohn.
Es gibt über 200 Berufe: Handwerk, Gesundheit, Soziales, Kaufmännisches, Informatik, Logistik, Gastronomie, Technik, Natur und mehr. Die Lehre verschliesst keine Türen: Berufsmaturität, Höhere Fachschulen und Fachhochschulen bleiben je nach Weg offen.
🏭 Der Lehrbetrieb
Hier lernen Sie den Beruf in der Praxis, begleitet von einer Berufsbildnerin oder einem Berufsbildner.
🏫 Die Berufsfachschule
Allgemeinbildung und berufskundlicher Unterricht, 1 bis 2 Tage pro Woche.
🔧 Überbetriebliche Kurse
Praktische Kurse der Branche zum Erwerb der Grundlagen des Berufs.
Wo finden Sie eine Lehrstelle?
Nutzen Sie mehrere Kanäle: keine einzelne Quelle zeigt alle Lehrstellen.
- CH-Jobs.com: die Angebote oben, filterbar nach Kanton und Abschluss.
- Der Lehrstellennachweis auf berufsberatung.ch.
- Karriere- und Lehrstellenseiten der Lehrbetriebe.
- Berufsverbände Ihrer Branche.
- Berufsmessen, Tage der offenen Tür und Infoanlässe: eine Gelegenheit, Ausbildner kennenzulernen.
- Die Berufsberatung Ihres Kantons kennt die Lehrbetriebe der Region.
- Ihr Umfeld: Familie, Verein, ehemalige Lernende, Schnupperbetriebe.
Ein Betrieb interessiert Sie, schreibt aber nichts aus? Fragen Sie nach, ob eine Lehrstelle geplant ist und wie die Auswahl abläuft. Eine Initiativbewerbung lohnt sich vor allem bei Betrieben, die Lernende ausbilden.
Wann bewerben?
Es gibt keinen einheitlichen Termin für die ganze Schweiz. Massgebend ist die Frist im Inserat: Manche Betriebe starten die Auswahl schon im Spätsommer oder Herbst des Vorjahres, andere später, und laufend kommen neue Lehrstellen dazu.
EFZ oder EBA: welche Ausbildung passt?
| EFZ | EBA | |
|---|---|---|
| Name | Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis | Eidgenössisches Berufsattest |
| Dauer | in der Regel 3 bis 4 Jahre | 2 Jahre |
| Profil | Grosse Berufsauswahl, unterschiedliche Anforderungen | Praxisnäher, engere Begleitung |
| Weiterer Weg | Berufsmaturität, Höhere Fachschule, Fachhochschule | Übertritt in eine EFZ-Lehre möglich |
Die Berufsmaturität kann während (BM 1) oder nach (BM 2) der EFZ-Lehre absolviert werden. Die Zulassung hängt von Kanton und Schule ab: Schulnoten, teils Aufnahmeprüfung. Fragen Sie schon bei der Bewerbung, ob der Betrieb das ermöglicht.
Im Inserat prüfen
- Lernaufgaben und Arbeitsort(e)
- Standort der Berufsfachschule und Arbeitsweg
- Schulische und persönliche Anforderungen
- Schnupperlehre oder Eignungstest
- Angestrebter Abschluss (EFZ oder EBA), Berufsmaturität möglich?
- Verlangte Unterlagen, Formate und Auswahlschritte
Was gehört ins Bewerbungsdossier?
Halten Sie sich genau an die Angaben im Inserat. Häufig verlangt: Lebenslauf, Motivationsschreiben, Zeugnisse; je nach Beruf: Eignungstest-Resultate, Schnupperberichte, Portfolio oder Zertifikate.
Checkliste vor dem Versand
- Alle verlangten Unterlagen sind vorhanden
- Name, Telefon und E-Mail stimmen (seriöse E-Mail-Adresse)
- Berufsbezeichnung, Betrieb und Kontaktperson sind korrekt übernommen
- Dateien sind klar benannt und gut lesbar (z. B. Muster_Anna_Lebenslauf.pdf)
- Ihre Motivation erklärt „warum dieser Beruf“ und „warum dieser Betrieb“
- Jede Aussage lässt sich mit einem echten Beispiel belegen
Sie müssen nicht so tun, als hätten Sie jahrelange Erfahrung: Lehrbetriebe schätzen vor allem Motivation, Lernbereitschaft und soziale Kompetenzen. Verwenden Sie nur Beispiele, die wirklich zu Ihnen passen.
Wie erklären Sie Ihre Motivation?
- Welche Aufgaben des Berufs interessieren Sie?
- Welche Erfahrung hat dieses Interesse bestätigt (Schnupperlehre, Hobby, Projekt, Ferienjob)?
- Warum möchten Sie gerade in diesem Betrieb lernen?
Vermeiden Sie Sätze, die auf jede Bewerbung passen („Ihr Unternehmen ist sehr bekannt“). Besser ist ein konkreter Hinweis auf Ausbildung, Produkte, Kundschaft oder Abteilungen. Bleiben Sie einfach, ehrlich und fehlerfrei: ein kurzer, persönlicher Brief ist besser als ein langer, kopierter Text.
Vorstellungsgespräch, Schnupperlehre und Eignungstests
Viele Betriebe verlangen eine Schnupperlehre und/oder einen Eignungstest (z. B. Multicheck oder Basic-Check, je nach Branche). Wiederholen Sie die Grundlagen (Rechnen, Rechtschreibung, Textverständnis), lesen Sie die Anweisungen genau und schlafen Sie genug. Ein mittleres Resultat schliesst nicht alle Türen: Fragen Sie, wie es gewichtet wird.
Vor dem Gespräch
- Inserat nochmals lesen und den Betrieb kennenlernen (Produkte, Kundschaft, Abteilungen)
- Drei konkrete Beispiele vorbereiten (Schnupperlehre, Sport, Schule, Familie)
- Mit einer Vertrauensperson laut üben
- Weg prüfen und 10 Minuten früher ankommen
Im Gespräch
- Grüssen, lächeln, Blickkontakt und deutlich sprechen
- Auf Ihre Beispiele zurückgreifen; „das weiss ich noch nicht“ ist erlaubt
- Saubere, passende Kleidung; Handy aus
Fragen, die Sie stellen können
- Wie sieht ein typischer Ausbildungstag aus?
- Wer ist meine Ansprechperson?
- Welche überbetrieblichen Kurse und welcher Schulplan?
- Bis wann erhalte ich Bescheid?
Danach: kurz per E-Mail bedanken und das angekündigte Antwortdatum notieren.
Lehrvertrag, Lohn und Rechte
- Schriftlicher Vertrag: von Betrieb und Ihnen unterzeichnet (bei Minderjährigen auch von der gesetzlichen Vertretung) und der kantonalen Berufsbildungsbehörde eingereicht.
- Probezeit: grundsätzlich 1 bis 3 Monate (1 Monat, wenn nichts vereinbart ist). Beide Seiten prüfen, ob Beruf und Betrieb passen.
- Lohn: variiert stark je nach Branche, Kanton und Lehrjahr. Fragen Sie vor der Unterschrift nach.
- Ferien: mindestens 5 Wochen pro Jahr bis zum 20. Altersjahr.
- Bildungsplan: Der Betrieb muss Sie nach dem Bildungsplan des Berufs ausbilden.
- Jugendschutz: Für Minderjährige gelten besondere Regeln (Arbeitszeit, gefährliche Arbeiten).
Klären Sie auch mögliche Kosten (Material, Arbeitskleidung, Reise, Verpflegung). Bei Zweifeln hilft das kantonale Amt für Berufsbildung.
Die Lehre erfolgreich meistern
- Führen Sie Ihre Lerndokumentation (Bildungsbericht) und lassen Sie sie regelmässig bestätigen.
- Planen Sie Zeit für Schule und Hausaufgaben ein: Die Schulnoten zählen für den Abschluss.
- Stellen Sie Fragen: Lernen heisst auch nachfragen.
- Das Qualifikationsverfahren (Abschlussprüfung) kombiniert Praxis, Berufskenntnisse, Allgemeinbildung und Erfahrungsnoten.
Bei Schwierigkeiten
Sprechen Sie früh mit Ihrer Berufsbildnerin bzw. Ihrem Berufsbildner, einer Vertrauensperson oder der Berufsberatung. Es gibt Lösungen: Stützkurse, fachkundige individuelle Begleitung, Mediation, Betriebswechsel. Unterschreiben Sie nie eine Kündigung, ohne sich bei der kantonalen Berufsbildungsbehörde beraten zu lassen.
Und nach der Lehre?
- Einstieg in den Beruf
- Berufsmaturität, danach Fachhochschule
- Höhere Fachschule oder höhere Berufsbildung (eidg. Fachausweis, eidg. Diplom)
- Zweite, kürzere Lehre oder Berufswechsel
- Passerelle zu den universitären Hochschulen je nach bestehenden Wegen
Ihre Lehre ist ein solides Fundament: In der Schweiz lassen sich Grund- und Weiterbildung gut verbinden.
Wenn die Suche noch nicht klappt
Eine Absage heisst nicht, dass der Beruf nicht zu Ihnen passt. Suchen Sie die Gemeinsamkeit: wenige Lehrbetriebe im Umkreis? Anforderungen passen nicht zum Profil? Unterlage fehlt? Absage nach dem Gespräch? Suche auf einen Beruf oder eine Region beschränkt?
- Umkreis erweitern und verwandte Berufe prüfen
- Eine weitere Schnupperlehre machen
- Ein konkretes Element im Dossier überarbeiten
- Sich über Brückenangebote informieren (10. Schuljahr, Vorlehre, Übergangsangebote), z. B. bei der Berufsberatung
- Realistischen Plan B bereithalten, ohne Ihr Ziel aufzugeben
Bewerbungen im Griff und 7-Tage-Plan
| Stelle / Betrieb | Frist | Versand | Kontakt | Nächster Schritt |
|---|---|---|---|---|
| Kauffrau/Kaufmann — Firma X | 30.11. | 12.11. | Hr. Muster | Nachfassen am 26.11. |
Notieren Sie auch Absagen, Unterlagenwünsche und Gespräche. Ist keine Antwortfrist angegeben, warten Sie angemessen, bevor Sie höflich nachfragen; tägliches Nachfassen hilft nicht.
Plan für die nächsten 7 Tage
- Ausgangssituation bestimmen.
- 2 bis 4 Stichwörter und einen realistischen Umkreis wählen.
- CH-Jobs, den Lehrstellennachweis und fünf Lehrbetriebe prüfen.
- Fristen in der Tabelle notieren.
- Unterlagen für eine passende Stelle vorbereiten.
- Einen konkreten Punkt (Rechtschreibung, Vollständigkeit) gegenlesen lassen.
- Dossier selbst versenden und den nächsten Schritt notieren.
Wo finden Sie Hilfe?
- berufsberatung.ch: Berufsporträts, Lehrstellennachweis, Bewerbungstipps
- SBFI: offizielle Informationen zur Berufsbildung
- Die Berufsberatung Ihres Kantons (kostenlose Beratung)
- Ihre Schule, Eltern oder eine Vertrauensperson
Sie müssen nicht alles allein erledigen. Die Wahl und die Aussagen in Ihrer Bewerbung sollten aber Ihre eigenen bleiben.
Häufige Fragen
Ist es im Herbst zu spät, eine Lehrstelle für das nächste Jahr zu finden?
Nein. Manche Betriebe haben die Auswahl schon begonnen, andere schreiben später aus. Prüfen Sie aktuelle Inserate und halten Sie die jeweilige Frist ein.
Ist eine Schnupperlehre Pflicht?
Nicht immer. Sie hilft, eine Wahl zu bestätigen, und manche Betriebe binden sie in die Auswahl ein. Beachten Sie die Angaben im Inserat.
Was ist der Unterschied zwischen EFZ und EBA?
Das EFZ dauert in der Regel 3 bis 4 Jahre, das EBA 2 Jahre mit engerer Begleitung. Beide sind anerkannte eidgenössische Abschlüsse; ein Übertritt vom EBA ins EFZ ist möglich.
Was, wenn meine Noten nicht perfekt sind?
Vergleichen Sie Ihre Situation mit den Anforderungen, legen Sie die verlangten Zeugnisse bei und zeigen Sie Motivation, Lernbereitschaft und konkrete Erfahrungen.
Darf ich mich initiativ bewerben?
Ja, vor allem bei Betrieben, die Lernende ausbilden. Fragen Sie nach, ob eine Lehrstelle geplant ist und wie die Auswahl abläuft.
Dürfen mir Eltern oder eine KI helfen?
Ja, beim Gegenlesen, bei der Vollständigkeitskontrolle und bei unklaren Stellen. Entfernen Sie persönliche Daten, bevor Sie ein KI-Tool nutzen. Inhalt und Kontakt zum Betrieb bleiben Ihre Sache.
Wie viel verdient man in der Lehre?
Das hängt von Branche, Kanton und Lehrjahr ab. Der Lohn steht im Lehrvertrag; fragen Sie vor der Unterschrift nach.
Was, wenn mir der Beruf doch nicht gefällt?
Sprechen Sie rasch mit Ihrer Berufsbildnerin bzw. Ihrem Berufsbildner und der Berufsberatung. Ein Berufs- oder Betriebswechsel ist manchmal möglich. Kündigen Sie nicht ohne Beratung.
Ein Lebenslauf nach Schweizer Standard erhöht Ihre Chancen auf ein Gespräch.